Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Radio Okerwelle, 11.1.2008

In den Medien begegnen uns unentwegt Menschen, die ihr Selbstbewußtsein geradezu gepachtet zu haben scheinen, ob Politiker, Künstler oder Tagesschau-Sprecher. Von ihnen ist offensichtlich niemand schüchtern. Sollten Sie jedoch von Schüchternheit betroffen sein, ist der folgende Bericht von Donald Göhres vielleicht interessant für Sie.

Sind Sie schüchtern? Nein? Dann kennen Sie ganz bestimmt jemanden, der schüchtern ist. Die Statistiken sprechen von 3-13% der Deutschen. Aber es gibt unterschiedliche Formen von Schüchternheit. Mancher lebt sein ganzes Leben damit, daß er rot wird, Herzrasen und feuchte Finger bekommt, wenn sein Chef, eine attraktive Frau oder ein Fremder ihn anspricht. Das kann eine Sozialphobie sein oder eine Angststörung. Sie ziehen sich ganz aus dem sozialen Leben zurück. Für sie wird der wöchentliche Einkauf im Supermarkt zum Spießrutenlauf, sagt ein Betroffener.
"Ja, ich hab mehrere Angstattacken gehabt, und Panikattacken gehabt, und hab halt einfach nach Gleichgesinten gesucht, mich über meine Probleme auszutauschen, über die soziale Phobie, über Kontaktängste und so weiter, und deswegen bin ich halt hingegangen. Ja, ich hatte einen sehr begrenzten Freundeskreis, von dem sind 2/3 halt weggezogen, und dann war ich sehr sozial isoliert, und dementsprechend hab ich halt Anschluß gesucht, und fand das dann auch sehr hilfreich, dann Leute zu finden, die halt auch die gleichen Probleme hatten."
Zu der Angst kommen Gedanken um die Gedanken der anderen. Lacht die gerade über mich? Fällt es gerade wem auf, daß meine Hände zittern? Hoffentlich passiert mir nicht wieder etwas peinliches. Daraus entwickelt sich nicht selten Perfektionismus. Die Gedanken und Grübeleien kreisen vermehrt um eigene Fehler. Damit schließt sich der Teufelskreis, denn perfekt ist niemand. Das Selbstwertgefühl leidet, denn je mehr der Betroffene versucht, Fehler zu vermeiden, desto mehr geraten die eigenen Erfolge aus dem Blick. Dinge, die sie früher als gut empfunden hätten, sind nun nicht perfekt und damit wieder ein Fehler. Viele versuchen, diese Gedanken, Ängste und Bemühungen vor ihren Mitmenschen zu verstecken, z.B. hinter einer selbstbewußten Maske, wenn sie überhaupt unter Menschen gehen, meint ein anderer Betroffener.
"Auch wenn ich nach außen selbstbewußt wirke, bin ich in meinem Verhalten sehr unsicher und ängstlich und hab mich dafür entschieden, in diese Gruppe zu gehen, um Menschen kennenzulernen, die ähnliche Probleme haben, mit denen ich mich dann austauschen kann."
Eine Möglichkeit ist eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. In unserer Region sind Betroffene bereits seit Jahren auf diesem Gebiet aktiv, die Angebote der Selbsthilfegruppen in Braunschweig, Peine, Goslar oder Wolfsburg haben sich als sehr hilfreich erwiesen. "Und es hat mir halt im Winter über eine sehr schwere Zeit geholfen."
Nun gibt es dieses Hilfsangebot erstmalig auch in Salzgitter. Die Selbsthilfegruppe für Schüchterne und Sozialphobiker öffnet dort in der Evangelischen Familienbildungsstätte, Kattowitzer Straße 225, ihre Pforten. Dort gibt es Möglichkeiten, sich mit anderen Schüchternen auszutauschen, Situationen zu üben und Freunde mit ähnlichem Charakter und Problemen kennenzulernen. Aber einige Dinge kann die Gruppe nicht leisten, sagt der Vorsitzende des Vereins "intakt", Julian Kurzidim:
"Naja, zum ersten Mal hingehen muß man eben selber, die erste Überwindung, überhaupt hinzugehen, ist doch für viele schwer, aber das haben viele geschafft, und Sie können das auch. Wenn Sie sich nicht so richtig hintrauen, dann sind Sie richtig, dann kommen Sie ruhig vorbei."

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