Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Radio Okerwelle, 23.2.2004

"Bevor mir aufgefallen ist, daß ich schüchtern bin, hab ich mich irgendwie gefragt, warum finde ich keine Freunde?"

Das lag nicht etwa daran, daß Julian K. ein unliebsamer Zeitgenosse wär, vielmehr fühlt er sich einfach in Gegenwart anderer, insbesondere Fremder, unsicher, sagt er. Dementsprechend ist er sehr zurückhaltend,
"aber das ist nur der erste Eindruck. Bei Schüchternen darf man nicht nach dem ersten Eindruck gehen, sondern wenn man auf Schüchterne zugeht, ein bißchen Vertrauen entgegenbringt, dann öffnen sie sich und zeigen, was sie wirklich können."

Und bei Julian K. ist das allerhand. Er hat sein Studium der Sozialpädagogik erfolgreich abgeschlossen und vor zwei Jahren die Selbsthilfegruppe für Schüchterne gegründet.
"Die Idee zu der Gruppe hatte ich dadurch, daß ich Leute kennenlernen wollte, die genauso sind wie ich, eben auch schüchtern."

Rund 10 Mitglieder hat die Gruppe im Moment, und sie treffen sich regelmäßig einmal die Woche. Von Anfang an dabei war auch Bettina N. Als sie Julins Aufruf in der Zeitung las, dachte sie sich, jetzt oder nie.
"Ich hab hier in Braunschweig studiert und dann, ja festgestellt, da ich halt viele so typische Studentenaktivitäten eher nicht mitgemacht hab, also irgendwie so Partys oder groß weggehen, weil ich halt einfach Angst hatte, wenn da sehr viele Leute sind, mich auch mit Leuten zu unterhalten, und dann auch halt gemerkt hab, daß ich mich in der Menge auch irgendwie einsam fühle."

In der Gruppe kann Bettina über ihre Schwierigkeiten sprechen und wird verstanden. Schließlich haben die anderen ähnliche Erfahrungen gemacht. Und die Gespräche helfen auch ein wenig dabei, sich selbst auf die Schliche zu kommen, sagt sie.
"Ich hab auch Schwierigkeiten, neue Sachen eigentlich mir anzugucken, auch wenn ich denke, naja, es könnte ganz interessant sein, irgendwo mal hinzugehen, aber dann kommt halt irgendwie, weiß ich nicht, die innere Einstellung, die dann sagt, naja muß ja nicht, ist nicht unbedingt nötig, gibts nicht noch was anderes, naja, dieses typische Ausweichen. Ist mir vorher nicht so aufgefallen, aber jetzt durch die Gespräche mit den anderen weiß ich halt, daß das irgendwie so eine Strategie ist. Inzwischen merk ich das halt und kann dan was dagegen tun."

Und je öfter sie es schafft, die Hürde zu überwinden, desto besser fühlt sie sich, sagt sie. Bettina wünscht sich, daß es so weitergeht, und da sie mit Unterstützung der Gruppe viele neue Menschen kennen lernt. Das wünscht sich Julian auch, doch zunächst einmal steht ihm ein Bewerbungsgespräch bevor.
"Ich wünsche mir einen Arbeitgeber, der beim Bewerbungsgespräch weniger auf den ersten Eindruck achtet, sonder mehr auf meine Qualitäten, und da wünsch ich mir natürlich, daß ich die Qualitäten auch mal besser zeigen kann, daß ich Strategien finde, wie ich schüchtern einen guten ersten Eindruck mache."

Davon kann man nach allem, was er bisher schon geschafft hat, durchaus ausgehen.

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