Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Rundbrief Dezember 2021

Titelseite

Inhalt:
   - Onlinestudie zu Erwartungen in sozialen Situationen
   - "Die psychischen Folgen der Pandemie schlagen nun vollends durch!"
   - Filme, die die Welt erklären
   - "Mit dem Zwang fange ich mein Aufmerksamkeitsdefizit ein!"

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ZITAT

"ὅταν γἀρ άσθενῶ, τότε δυνατός εἰμι."
("ótan gár asthenó, tóte dynatós eimi - Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.")

2. Korinther 12,10



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Onlinestudie zu Erwartungen in sozialen Situationen

Liebe Studieninteressierte,

im Rahmen einer Forschungsarbeit im Bereich der klinischen Psychologie und Psychotherapie soll die Rolle von Gedanken und Erwartungen im sozialen Kontext im Zusammenhang mit psychischen Problemen untersucht werden.

Für die anonyme Teilnahme an der Online-Untersuchung bestehen, abgesehen von einem Mindestalter von 18 Jahren und ausreichenden Deutschkenntnissen, keine Voraussetzungen. Die Umfrage dauert ca. 15-20 Minuten. Anschließend besteht die Möglichkeit an einer Verlosung von insgesamt 4 x 25 EUR Wunschgutscheinen teilzunehmen. Diese sind in 500 diversen Onlineshops und Filialen einlösbar (Amazon, Ikea, Zalando, Thalia, Eventim etc.).

Wie komme ich zu der Umfrage? Bei Interesse, bitte auf den folgenden Link klicken:
https://www.unipark.de/uc/EVISA/

Mit besten Grüßen
Leonora Schäfer, M.Sc.
AG Klinische Psychologie und Psychotherapie
Gutenbergstraße 18, D-35032 Marburg
Tel.: +49 (0)6421- 2824050
Fax: +49 (0)6421- 2828904
E-Mail: leonora.schaefer(ä)staff.uni-marburg.de


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"Die psychischen Folgen der Pandemie schlagen nun vollends durch!"
Selbsthilfeinitiative verstärkt Angebot der Mailberatung

ZUSAMMENFASSUNG
   - Selbsthilfeinitiative verzeichnet sprunghaften Anstieg an Beratungsanfragen.
   - Folgen der sozialen Isolation in der Pandemie hinterlassen psychische Spuren.
   - Besonders viele Kinder und Jugendliche reagieren mit Angst und Depression auf die unsichere Lage.


Die Selbsthilfeinitiative zu Zwängen, Phobien und Depressionen im Landkreis Konstanz verstärkt angesichts einer seit Monaten wachsenden Zahl an Anfragen ihr Angebot der Mailberatung. Wie der Leiter der Gruppe mitteilt, erreichten ihn derzeit zwischen 5 und 10 Hilfsgesuche pro Tag. Dennis Riehle erklärt hierzu: "Besonders zugenommen haben die Beratungswünsche von verunsicherten Eltern, deren Kinder im Rahmen der Pandemie zwanghafte, ängstliche oder depressive Symptome zeigen, während die Angehörigen mit dieser Situation oftmals vollkommen überfordert sind", so der 36-Jährige, der selbst seit 23 Jahren an verschiedenen psychischen Erkrankungen leidet. Die seelischen Folgen der sozialen Isolation würden nun vollends durchschlagen, sagt Riehle, der ergänzt: "Diese Welle war absehbar - und trotzdem scheint das Versorgungssystem nun komplett überlastet. Nicht nur für einen Erwachsenen ist die Wartezeit auf einen Therapieplatz exorbitant gestiegen. Auch für Kinder und Jugendliche sind die entsprechenden Kapazitäten aus meiner Erfahrung am Anschlag". Riehle betont, dass auch er keine Therapieplätze vermitteln kann, aber Wege aufzuzeigen versucht, wie man möglichst rasch an eine akute Hilfestellung kommt: "Selbstredend können wir keine Ferndiagnosen stellen. Trotzdem ist es für viele Menschen hilfreich, wenn sie eine erste Einschätzung bekommen, welche Unterstützung im Einzelfall für Sie nötig sein könnte".

Insbesondere der Erfahrungsaustausch mit Betroffenen, die schon lange auf die eigene Krankengeschichte zurückblicken können, sei gerade für diejenigen, die neu erkranken, ein besonders wertvoller Beitrag, sich der eigenen Problematik zu stellen und adäquate Hilfe in Anspruch zu nehmen: "Wir verstehen uns als Wegweiser und erste Orientierung. Ich denke, es kann uns gelingen, verschiedene Ängste im Blick auf Diagnosen und ihre Konsequenzen, die Behandlung und Therapie, den möglichen Umgang mit einer psychischen Erkrankung im Alltag, gegenüber Familie oder am Arbeitsplatz sowie die Prognosen von solchen Störungsbildern zu nehmen. Denn wir wissen, wie viele Vorurteile weiterhin existieren - und diese zu widerlegen, das erreichen vor allem Menschen, die selbst mit entsprechenden Problemen konfrontiert waren". Die Selbsthilfeinitiative berät auch zu allgemeinen sozialen Fragen im Rahmen psychischer Gebrechen, beispielsweise zum Antrag auf Schwerbehinderung, Sozialleistungen bei Krankheit, berufliche Wiedereingliederung, Rehabilitation oder Pflegebedürftigkeit. Das ehrenamtliche Angebot ist kostenlos und steht auch Menschen aus den umliegenden Landkreisen gern zur Verfügung. Es kann über die Mail-Adresse selbsthilfearbeit(ä)riehle-dennis.de erreicht werden. Haftung ist ausgeschlossen, Verschwiegenheit wird zugesichert. Der Kontakt ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Konsultation und keine rechtliche Beratung.

Dennis Riehle
Selbsthilfeinitiative Zwangserkrankungen, Phobien, psychosomatische Störungen und Depressionen im Kreis Konstanz
Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
Web (privat): https://www.dennis-riehle.de
Mail: selbsthilfearbeit(ä)riehle-dennis.de

Nachtrag:

Bei den psychischen Folgen der Corona-Pandemie ist nicht nur an Ansteckungsangst, Bedenken vor dem Impfstoff und Leere durch Zwangsfreizeit zu denken. Weitere große Punkte ist die Diskussion um all diese Themen, die schnell eingeführten und schnell geänderten Maßnahmen, die Unsichrheit:
- "Lockdown, Wellenbrecher, Notbremse, G plus, Bundes-, Landes-, Ortsvorschriften, Inzidenz, R-Wert, ..."
- Politische Gockelei um Pläne, die, sobald sie dann in Kraft treten, entweder nicht mehr notwendig oder nicht mehr ausreichend sind. Die Inzidenz war doch schneller.
- Das Gerede der Leute auf der Straße, im Bus etc., wo sie sich mit ihren Ängsten und Noch-Schlimmer-Zukunftssichten gegenseitig wuschig machen. Dürfen sie gern tun, aber in der Öffentlichkeit können andere mithören und sind ungewollt mit solchen Themen konfrontiert.
- Schnell ausgerufene und geänderte Notfallpläne lassen keine Planungssicherheit zu. Findet das Gruppentreffen morgen überhaupt statt? Und wenn ja, mit wieviel G?

Wir möchten noch mal auf unsere Fragenaktion "Corona-Doktor Sommer" hinweisen. Zu Ängsten vor Test und Impfung werden dort Fragen beantwortet:
www.schuechterne.org/rb213.htm


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Filme, die die Welt erklären
Teil 16: Nicht angetreten bestanden

Die heutige Szene stammt aus dem Kosmos rund ums "Raumschiff Enterprise". Ich gebe gleich zu, was ohnehin in Kürze deutlich wird: ich bin kein "Trekkie", also Fan mit Fachwissen. Mir reichte es, ab und zu eine Folge zu sehen - wenn sie mal lief. So weiß ich auch nicht, aus welcher Serie die heutige Szene stammt. Der klingonische Brückenoffizier Worf war ja in der "nächsten Generation" und in "Deep Space Nine" dabei. Und wenn in noch weiteren Serien, dann sind diese an mir vorbeigerauscht.

Immerhin habe ich so viele Folgen gesehen, um bis zu zwei Fragen zu kommen:
1. Was machen die eigentlich in dem Raumschiff, wenn gerade kein Kampf und kein Abenteuer zu bestehen ist? Schon dieses weiße Neonlicht macht eine sauber-langweilige Atmosphäre. Da würde ich lieber bei Lord Helmchen mitfliegen: Der hat in seinem Raumschiff "Spaceball 1" einen Zirkus, einen Zoo und eine große Filmesammlung auf, ja genau, VHS-Cassetten.
2. Wie funktioniert das Beamen? Vor allem: Kommen am Ende die gebeamten Leute wirklich selbst raus oder wird von ihnen eine 100%-genaue Kopie ausgegeben? Deutlicher gesagt: Sterben die Leute, wenn der Beam-Apparat sie in Nichts auflöst? Diejenigen, die rauskommen, können nicht wissen, ob sie nur eine Kopie sind. Denn es ist auch die Erinnerung an alles bis zum Beamen mitkopiert worden. Noch gruseliger: Sie werden bald selbst in den Beamer gehen, ganz ohne Bedenken, denn sie haben es ja schon mal "überlebt". Zumindest glauben sie das.

Nun aber zur Szene, die ich meine: Dort erwähnt Leutnant Worf gegenüber einer Besatzungskollegin eine Prüfung in angeblich klingonischer Tradition. Diese ist interessiert, möchte Zeit und Wissen zur Vorbereitung.
"Nein, Sie dürfen dafür nicht üben."
"Dann möchte ich etwas Bedenkzeit, ob ich ohne Übung antrete."
"Nein, das verbietet die Regel. Sie haben jetzt von der Prüfung erfahren, dann müssen Sie die hier und jetzt machen oder nie."
"Unter solchen Umständen verzichte ich!"
Mit Worfs Antwort auf diesen Rückzieher hätte weder sie noch das Publikum der Serie gerechnet:
"Richtige Antwort. Man muß wissen, wann man ein Risiko besser nicht eingeht. Sie haben bestanden."

Ja,auch bei den Klingonen, die sicher eine Karikatur auf "ehrbezogene Gewalt" sind, ist es wichtig, auch mal "feige" sein zu dürfen und müssen.


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"Mit dem Zwang fange ich mein Aufmerksamkeitsdefizit ein!"

ZUSAMMENFASSUNG
   - Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome gehen häufig als komorbide (begleitende) Erkrankungen der Zwangsstörung einher.
   - Oftmals resultieren sie aus der durch die Zwangserkrankung resultierende Überforderung des Gehirns.
   - Zwänge können psychodynamisch geeignet sein, um Aufmerksamkeitsdefizite zu überdecken.


Es war ungefähr das Jahr 2010, als ich im Studium eine zunehmende Anstrengung bemerkte, das mir sonst so leicht fallende Lernen zu bewältigen. Kaum hatte ich einen Satz gelesen, war dessen Inhalt auch schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden. Noch zu Schulzeiten wurde ich von meinen Klassenkollegen bewundert: Eine Seite Vokabeln innerhalb von wenigen Minuten verinnerlicht! Und heute? Seit Jahren lässt meine kognitive Leistung in verschiedenen Testungen objektiv nach - und auch im Alltag wird mir das sehr deutlich bewusst gemacht: Wie leicht fiel es mir einst, Telefonnummern oder Namen zu merken. Scheinbar vergesse ich selbst die Tabletteneinnahme mittlerweile recht häufig, stehe mit leerem Blick im Raum - ohne zu wissen, was als Nächstes dran gewesen war. Einfachste Informationen aus der jüngsten Vergangenheit waren plötzlich nicht mehr abrufbar. Und nicht zuletzt ist die zeitliche und situative Orientierung oftmals besorgniserregend schlecht.

Auch wenn man es nicht auf Anhieb vermuten würde, können AD(H)S und Zwangsstörungen durchaus komorbid (also gleichzeitig und sich wechselseitig beeinflussend) auftreten. Das macht nicht nur mein Beispiel deutlich - auch wenn ich unter einem nachgewiesenen Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne Hyperaktivität leide und diese Erkrankung erst im jungen Erwachsenenalter zutage getreten ist. Bei vielen Kindern und Jugendlichen, in deren Altersklasse das ADHS lange Zeit geradezu explosionsartig auszubrechen schien und die Diagnosezahlen in die Höhe schossen, kann die Erkrankung durchaus in den Bereich der Zwangsspektrumsstörungen aufgenommen werden. Denn ich erlebe es in der Beratung von Eltern regelhaft, dass sie mir vom parallelen Auftreten des ADHS und einer Zwangserkrankung bei ihrem Kind berichten. Und nicht umsonst ist die gewöhnliche Reihenfolge des Erscheinens von zunächst Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsdefizit-Anzeichen und anschließendem - meist mit einigem Abstand folgenden - Ausbilden von Zwangshandlungen oder Zwangsgedanken wiederkehrend dieselbe.

Ich selbst konnte erkennen, dass mir eine Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und ergothera-peutischen Maßnahmen den größtmöglichen Nutzen für meine beiden Krankheitsbilder erbracht hat. Wenngleich ich als Student durch die massiv zunehmenden Schwierigkeiten mit meinem Kurzzeit- und Arbeits-gedächtnis nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kam, konnte ich mit dieser Unterstützung und gleichzeitiger Anwendung antidepressiv wirkendender Psycho-pharmaka mehrere Ausbildungen absolvieren und meine Selbstständigkeit fortsetzen - ohne Rückgriff auf andere psychoaktive Stimulanzien. Wesentliches Ergebnis aus der Analyse meiner Krankheitsgeschichte und den möglichen Zusammenhängen meiner Störungsbilder machten deutlich, dass ich mithilfe der Zwangsrituale versucht habe, die Aufmerksamkeitsdefizite zu kaschieren, zu überdecken und schlussendlich einzufangen. Mein zwanghaftes Verhalten und Streben nach Ordnung, Rhythmus und Routine gab mir Halt, wenn mich meine "grauen Zellen" wieder einmal im Stich gelassen hatten. In die Lücken der Aufmerksam-keitsspanne platzierten sich Wasch-, Kontroll- und Zählzwang. Sie lenkten von den Unzulänglichkeiten ab, die mir als junger Mensch besonders große Sorge bereiteten, weil ich mich um den möglichen Verlust geistiger Fähigkeiten bekümmerte. Dennoch war die Funktionalität recht schnell verständlich: Obsessives Verhalten und Denken gleichen die die durch ADHS eintretende Zügellosigkeit und Bewusstseinsstörungen mit entsprechender Regelmäßigkeit und Angepasstheit aus. Auch in meinem Fall gehe ich unbedingt davon aus, dass meine Zwangserkrankung wesentlichen Beitrag an der Kompensierung von Ausfällen hat, die durch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom begründet werden. Auch wenn die Zweifelskrankheit noch so störend ist, vermag sie es bestens, ein Gerüst aufrechtzuerhalten, welches durch Fehler im eigenen Gedächtnisapparat zusammenzubrechen droht. Zwar können Zwänge selbst dazu beitragen, die kognitiven Fertigkeiten negativ zu beeinflussen. Gerade bei der Komorbidität mit ADHS nehmen sie aber nicht selten die Aufgabe ein, Hektik und Chaos, Überdrehtheit und Konzentrationsmängel aufzufangen und neue Stabilität zu schaffen. Gleichwohl kann es nicht sinnhaft sein, die Folgen einer Krankheit mit den Symptomen einer anderen Erkrankung entsprechend aufzufangen. Deshalb können Zwangs-störungen auch nur eine vorübergehende Stell-vertreterfunktion einnehmen, um dem betroffenen Kind oder Erwachsenen so lange über die Hyperaktivität und die Aufmerksamkeitsdefizite hinwegzuhelfen, bis sie durch eine therapeutische Maßnahme abgelöst werden.

Sowohl Zwangserkrankungen, aber eben auch das ADHS zielen auf die Frage ab, wie gut wir unser Verhalten, unsere Erinnerung und unsere Vernunft im Griff haben. Nachdem sie als Weckruf der Seele verstanden werden können, die eigene Integrität zu verbessern, haben sie in der psychodynamischen Herkunft enge Gemeinsamkeiten - weshalb ihre enge Verwandtschaft offenkundig erscheint. Beide Erkrankungen offenbaren massive Schwierigkeiten mit Assoziierungen im Gehirn, deren Ursache auch in angeeigneten und prägenden Stereotypen, Glaubens-sätzen und Persönlichkeitsausformungen gesucht werden und mithilfe von verhaltenstherapeutischen, systemischen und tiefenpsychologischen Ansätzen behandelt werden sollten. Dabei geht es vor allem darum, mögliche Kausalketten im Behaviorismus des Betroffenen zu demaskieren, die bis in die Erziehung zurückreichen und sich im vorpubertären Entwick-lungsprozess manifestiert haben können. Insofern scheint es angeraten zu sein, die Bedeutung der beiden Krankheitsbilder und ihre Verzahnung ineinander zu entschlüsseln, was durchaus bereits im kinder- und jugendtherapeutischen Setting gelingen kann. Die alleinige Reduktion der ADHS- und Zwangssymptomatik auf ein Problem im Reaktionsmanagement greift insofern zu kurz, als dass ätiologische wie genetische Gemeinsamkeiten in den Biografien von Betroffenen feststellbar sein dürften.
Maßgebliche Empfehlung ist daher, frühzeitig interdisziplinäre Hilfe in Anspruch zu nehmen, bei der motorische, kognitive und psychische Therapieformen ergänzend wirken können.

Kontakt:
Dennis Riehle
Martin-Schleyer-Str. 27, 78465 Konstanz
Mail: Beratung(ä)Riehle-Dennis.de


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zuletzt am 16.12.2021 um 20 Uhr 32