Selbsthilfe bei Schüchternheit und sozialer Phobie

 

Ausführlicher Text

Beschreibung
   - Auslösende Faktoren
Ursachen und Symptome
Die Selbsthilfegruppe
   - Mögliche Gruppenziele
   - Zielgruppe und Treffen

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Termine unserer Selbsthilfegruppen

Problembeschreibung:

Im Volksmund als schüchtern oder gehemmt bezeichnet, leben introvertierte Menschen oft in einer unfreiwillig selbst erzeugten gesellschaftlichen Isolation - sozusagen mit einer Mauer um sich herum. Diese äußere Zurückgezogenheit wird von anderen Menschen häufig falsch interpretiert: Betroffene gelten als schwierig, nicht spontan, ängstlich, als Einzelgänger oder werden manchmal sogar als hochnäsig und arrogant verkannt. Selten wird dahinter eine starke Sensibilität und der Leidensdruck des Alleinseins bemerkt.

Doch auch Schüchterne sehnen sich nach Bekannten, Freunden, einem Partner oder einer Familie. Sie möchten mit Berufskollegen, Nachbarn und dem Alltag in entspannter Harmonie leben. Aber ihr eigener Konflikt und die innere Angst vor Ablehnung durch Mitmenschen und vor Kontakten treiben sie immer weiter in eine schmerzhafte Isolation. Dies ist ein Teufelskreis, der zu einer psychischen Störung und Belastung führen kann.

Die eigene Wohnung wird häufig zum sicheren Fluchtpunkt und kann gleichzeitig als Gefängnis erlebt werden. Post und Telefongespräche werden selten, Fernsehen und Alltagstrott bleiben einzige Ablenkung. In der Rolle der Alleinlebenden fühlen sich die Betroffenen häufig als fünftes Rad am Wagen und trauen sich nicht, andere zu stören oder gar zur Last zu fallen. Sie haben das Gespür dafür verloren, daß sie im Leben anderer Menschen auch eine Bereicherung darstellen können. Das eigene Persönlichkeitsbild und die Selbstwahrnehmung sind verzerrt.

Andere Menschen nehmen Urlaub und Wochenenden als etwas Schönes und Erstrebenswertes wahr, für die Betroffenen aber sind solche Zeiten eine belastende, Angst erzeugende Situation. Festtage und Feiern (z.B. Silvester oder Ostern) gehören auch zu den schwierigen Zeiten. Gerade die Advents- und Weihnachtstage stellen für einsame, allein lebende Menschen oft eine traurige, furchteinflößende Phase dar, in der es zu Depressionen und Kurzschlußreaktionen kommen kann, wenn keine Hilfe oder Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

In der heutigen anonymen, schnelllebigen Zeit, in der viele Menschen auf sich bezogen leben, und materielle Werte, Überzeugungs- und Durchsetzungsstärke im Mittelpunkt stehen, kann sich diese Kontaktstörung zu einem bedrohlichen Problem entwickeln, wenn nichts dagegen unternommen wird.
Medikamente und Psychologen können nicht die Lösung sein und geraten sicherlich hierbei auch an ihre Grenzen. Diese Möglichkeiten arbeiten fremdbestimmend und helfen nur vorübergehend, sie lösen nicht immer das wahre Problem. Eine geeignetere Hilfeform ist es, wieder mit anderen Menschen einen positven Kontakt herzustellen. Da gerade dieses der Hauptkonflikt der Betroffenen ist, muß es in einer Form geschehen, die diese Menschen auch erbringen können. Die Erwartungen dürfen nicht zu hoch gesteckt sein.

Hierbei soll eine "Akzeptanzgruppe" für Introvertierte helfen. Sie bietet die Möglichkeit, sich in angstfreier Atmosphäre mit ebenfalls Introvertierten auszutauschen und ohne Druck voneinander zu lernen. Es soll ein erster Schritt aus der inneren Leere und der verletzenden, selbstzerstörerischen Einsamkeit sein.

Gründe, in eine scheinbar so aussichtslose Lage zu kommen, gibt es reichlich:

Keine eigene Familie mehr / Ablösung vom Elternhaus
Der Lebenspartner ist fort
Eine individuelle belastende Lebenssituation überwunden
Innere Ängste oder Depressionen
Eine körperliche oder seelische Verletzung bzw. Mißhandlung erlebt
Übermäßiges Arbeiten, Schichtdienst
Freundschaften bzw. Beziehung vernachlässigt
Im Alltag ausgebrannt bzw. leer sein
Eine körperliche Beeinträchtigung
Verlust der Arbeitsstelle
Abhängigkeit oder Sucht erlebt haben (Drogen, Alkohol, dominante Eltern oder Lebenspartner)
Mutlosigkeit, allein neu zu beginnen
Umzug in eine neue, fremde Umgebung
MancheR fühlt sich ganz einfach einsam und allein im Leben und ist es somit auch

In allen diesen Lebenssituationen kann eine Kontaktarmut zu angstbesetzten Gefühlen werden. Es fällt den Betroffenen schwer oder gelingt gar nicht mehr, auf Mitmenschen offen zuzugehen. Die Lebenskrise ist vorhanden: Mann/Frau braucht jetzt Hilfe oder sucht sich diese selbst.


Ursachen und Symptome von Kontaktangst:

Kontaktangst vor Menschen, Hemmungen und Schüchternheit sind kein angeborenes Phänomen - niemand kommt damit zur Welt. Alle kleinen Kinder brauchen und wünschen Kontakte (außer bei Autismus). Die Kontaktängste resultieren vielmehr aus Erlebnissen, Problemen und negativen Einflüssen in der persönlichen Entwicklung eines Menschen. Diese können individuell verschieden gelagert und entstanden sein. In jedem Fall wird das Urvertrauen und der Aufbau des Selbstwertes beeinträchtigt und gestört. Irgendwann im Leben wird das seelische Gleichgewicht eines Betroffenen so stark verletzt, daß er sich schlecht fühlt und sich zurück zieht, um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen.

Das ist zwar ein ganz normaler, gesunder Selbstschutzmechanismus, aber leider funktioniert er nur einseitig, da das Element der Abgrenzung der eigenen Persönlichkeit durch eine geregelte Auseinandersetzung mit dem Konflikt auf der Strecke bleibt. Es kann sein, daß dies nie erlernt und somit trainiert wurde. Also bleibt nur der vertraute, bekannte Rückzug in die Isolation. Dies ist so verinnerlicht und gehört somit fortan zum täglichen Leben. Der Schutz ist nun gleichzeitig zum einsamen Leidensdruck geworden.

Diese Verletzungen der Seele treten häufig in der Kindheit oder Jugend eines Menschen auf - dann, wenn er abhängig von anderen Menschen (z.B. Eltern) ist, wenn er noch Hilfe braucht und noch nicht gelernt hat, sich alleine angemessen zur Wehr zu setzen bzw. seine eigene Persönlichkeit abzugrenzen. Die Betroffenen sind in diesen Situationen die Schwächeren und Abhängigeren und werden hier noch mehr geschwächt oder geraten dadurch in noch weitere Abhängigkeiten. Sie erleben sich in ihrem Selbstwert herabgesetzt. Dieses Modell greift auch häufig in einer Partnerschaft oder Ehe. Eigentlich hätten die Betroffenen Hilfe und Unterstützung gebraucht, haben dieses aber nicht erhalten, vielmehr das Gegenteil bekommen. Dies wird so erlernt, akzeptiert und immer wieder so gelebt. Der langsame Prozeß der Selbstbestrafung durch den Rückzug und die Angst vor Menschen und weiteren Verletzungen wächst. Es kann sein, daß der Betroffene sich dessen gar nicht bewußt ist und als Erwachsener mit seinen anerzogenen Ängsten lebt und leidet.

Eine mögliche Auflehnung dagegen könnte das Risiko bedeuten, daß man auf Ablehnung von den Menschen stößt, von denen man sich abhängig fühlt und dessen Zuneigung man nicht verlieren möchte. Häufig enden solche Beziehungen mit der Trennung der Partnern und der Schwache bleibt dabei auf der Strecke. Sein Selbstwert ist noch einmal zerstört, er ist für den anderen wertlos geworden. Er zieht sich verletzt in sein Schneckenhaus zurück, das Selbstvertrauen sinkt noch mehr, man ist wieder allein, die Angst wächst und der Leidensweg wird immer größer.

Aber wir sind heute erwachsene Menschen. Dieser schmerzhafte Prozeß kann somit auch die Chance für einen positiven, eigenen Neuanfang darstellen, wenn man nicht in Selbstmitleid aufgeht und lernt, sein Problem zu erkennen und sich zu verändern.

Die Kontaktangst kann sich in vielfältigen Symptomen äußern wie z.B.:
Magen- und Darm-Probleme
Herzrasen
Neurodermitis
Kopfschmerzen
Bluthochdruck
Muskelverspannungen


Aber auch das innere Gleichgewicht und das äußere Auftreten werden in Mitleidenschaft gezogen und drücken sich in Ängsten, depressiven Verstimmungen, Unsicherheit, Schüchternheit, Hemmungen, Stottern, Unflexibilität und Kontaktarmut aus. Es fällt ihnen schwer, ihre zweifellos vorhandenen Fähigkeiten auch zu zeigen. Beruflicher Erfolg, Karriere, Partnersuche u.ä. werden damit auch zum Kampf gegen die eigene Persönlichkeit.

Betroffene weichen anderen Menschen und Konfliktsituationen immer häufiger aus. Sie wirken ängstlich und unnahbar, gelten als überempfindlich, arrogant oder gar gefühlsarm - sie sind aber genau das Gegenteil. Sie wünschen sich nichts mehr, als von der Umwelt und von dem Mitmenschen akzeptiert, angenommen, verstanden und geliebt zu werden. Es ist für sie, mit ihrem Gefühl der Wertlosigkeit, aber unheimlich schwer geworden, den ersten Schritt aus ihrer Isolation zu gehen, um sich selbst weiter zu helfen und ihre Probleme zu bewältigen. Es ist ganz natürlich, daß sie hierbei auf Hilfe angewiesen sind. Eine positive Entwicklung ist sicher ein langsamer Prozeß, der viel Mut erfordert, um auch eventuelle Rückschläge zu verarbeiten.



Die Selbsthilfegruppe:

Die Gruppe ist ein Hilfeangebot für schüchterne Menschen, die ihre eigenen Kontaktängste spüren. Sie soll ihnen einen Raum bieten, der sich an die Persönlichkeit dieser Menschen anpaßt, in dem sie bisher unerfüllte psychische Bedürfnisse befriedigen können. Hier können sie zu Menschen mit ähnlicher Persönlichkeit Kontakt aufnehmen. In diesem Umfeld ist nicht nur das Unterlegenheitsgefühl des/der Einzelnen geringer, sondern auch die Gefahr, von den anderen mißverstanden zu werden.
Schwerpunkt dieses Raumes ist der geschützte, angstfreie Gesprächskreis. Hier sollen die Sinne sensibilisiert und dem Leben wieder positive Aspekte gegeben werden. Was daraus später für jeden einzelnen entsteht, wird gemeinsam Schritt für Schritt besprochen, erarbeitet, erlebt und heranwachsen.
Es kann möglich sein, daß sich ein Mitglied später in eine andere spezielle Selbsthilfegruppe begeben möchte, weil er nun die Hintergründe für seine ganz persönliche Problematik begriffen hat. In diesem Fall ist aber das erste Ziel, die Angst vor anderen Menschen und helfenden Kontakten zu überwinden, erreicht worden.

Ziele für eine Veränderung können sein:
Zu sich selbst, seiner Persönlichkeit und seinen Problemen ohne Minderwertigkeitsgefühl stehen dürfen
Neue Freunde finden
Das Gefühl von Wertschätzung und Zusammengehörigkeit genießen
Erfahrungen im Gespräch austauschen
Ängste, Sorgen und andere Erfahrungen aussprechen, sich öffnen können
Kontakte zu Menschen mit ähnlicher Persönlichkeit knüpfen
Hilfe bekommen und selbst helfen
Sich auf ein wöchentliches Treffen freuen
Kommunikationsstrukturen erlernen
Lösungswege aus belastenden Situationen gemeinsam erarbeiten
Neue Lebensenergie finden
Gemeinsame Aktionen (Kino, Kaffeetrinken, Ausflüge, Hobbys, kreative Arbeiten usw.)
Sich nicht mehr allein fühlen
Das Selbstwertgefühl stärken
Nähe zulassen können
Distanz ertragen lernen
Lernen, sich angemessen abzugrenzen
Den Weg ebnen, auch ohne Gruppe zufrieden zu leben.

Zielgruppe und Treffen:

Die Zielgruppe besteht aus Menschen, die sich in dieser Problematik wieder erkennen. Angesprochen sind allein lebende Frauen und Männer zwischen 20 und 60 Jahren, die nicht vor ihren Ängsten und Einsamkeit resignieren wollen; aber durchaus ihre Schwierigkeiten, locker auf andere Menschen zuzugehen, erkennen.Sie sollten erkennen, daß sie sich im Moment selbst schaden, und bereit sein, aus ihrer Isolation heraus zu kommen - auch wenn es ihnen (noch) schwerfällt. Sie dürfen hier über ihre Sorgen sprechen, sollten aber auch zuhören können und offen für eine Reflektion sein. Hilfe wird ihnen bei diesem ersten Schritt angeboten.

Die Gruppe soll überschaubar und persönlich sein und nicht größer als etwa zehn Personen werden. Einmal in der Woche findet ein Treffen von ungefähr 90 Minuten statt, bei Bedarf öfter bzw. länger. JedeR hat die Gelegenheit nach 90 Minuten zu gehen oder noch zu bleiben.
Alles Besprochene wird streng vertraulich behandelt.

Wie stark sich die Einzelnen im Gespräch einbringen möchten, bleibt ihnen selbst überlassen. Wir beginnen und enden unsere Gespächsabende mit einer Blitzlichtrunde zur momentanen Befindlichkeit.

Wer möchte, kann Telefonnummern austauschen und sich mit Gruppenmitgliedern privat verabreden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf Wunsch anonym zu bleiben.

Diese Gruppe wird nicht durch eine psychologische Fachkraft begleitet. Es soll keine Therapie sein oder ersetzen. Wir wollen uns im Rahmen unserer eigenen Möglichkeiten und Talente aus eigener Kraft unterstützen, helfen und fördern. Denn so möchten wir unseren Selbstwert und unser Selbstvertrauen wieder stärken, damit wir uns intakt" fühlen und erleben. Dieser Lernprozeß hat seinen eigenen therapeutischen Effekt.

Die Kontaktaufnahme mit der Gruppe ist per Telefon oder Post möglich: siehe "Wo und Wann"
Wir bieten auch Hilfe an, wenn der erste Schritt in die Gruppe schwerfällt!


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zuletzt am 12.06.2014 um 16 Uhr 58